Unsere aktuellen Studien:

Immunadsorption versus Immunglobuline zur Behandlung der Chronisch Inflammatorischen Demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP)

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft existieren verschiedene Therapien, die als etwa gleich wirksam angesehen werden: die Gabe von Cortison als Tablette, die Gabe von Immunglobulinen über die Vene (IVIg) und der Plasmaaustausch (plasma exchange, PE), eine Form der Blutwäsche. Alle Therapien zielen auf eine Veränderung des Immunsystems und insbesondere auf eine Eliminierung bzw. Verminderung der schädlichen Auto-Antikörper ab und haben sich über viele Jahre in der Behandlung der CIDP bewährt. In schweren Fällen müssen manchmal zusätzliche sogenannte Immunsuppressiva (hierzu gehören Medikamente wie Azathioprin, Methotrexat, Cyclophosphamid und Rituximab) gegeben werden, um die Erkrankung beherrschen zu können. Ziel der Therapie ist es, das weitere Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern; bei einem Teil der Patienten kann auch eine Verbesserung der Beschwerden erzielt werden. Jedoch hat sich gezeigt, dass nicht alle Patienten gleich gut auf eine bestimmte Therapie ansprechen, und teilweise müssen mehrere Therapieoptionen erprobt werden, bis die individuell beste Therapieoption gefunden wird.

Die Gabe von Cortison als Tablette stellt meistens den ersten Behandlungsversuch der CIDP dar. In vielen Fällen ist diese Therapie gut wirksam, manchmal schreitet aber die Erkrankung trotz Cortison-Therapie weiter voran. Ein weiteres Problem der Cortison-Therapie besteht darin, dass Cortison, wenn es über einen längeren Zeitraum in einer höheren Dosierung gegeben wird, häufig Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Erhöhungen des Blutzuckerspiegels, Magengeschwüre und psychische Probleme verursachen kann. Bei einem weiteren Teil der Patienten kommt eine Cortison-Therapie aufgrund bestimmter Begleiterkrankungen wie z.B. einem schweren Diabetes nicht in Frage. In diesen Situationen stellt sich die Frage, welche Therapie als nächstes zu Einsatz kommen soll. Diese Frage soll im Rahmen dieser Studie beantwortet werden – in die Studie werden also nur Patienten aufgenommen, die aufgrund einer der o.g. Gründe für eine Cortison-Therapie nicht in Frage kommen.

 

Bei den Immunglobulinen handelt es sich um eine Infusion, die über 5 Tage über einen peripheren Zugang (z.B. in eine Armvene) verabreicht wird. Der Wirkmechanismus der Immunglobuline ist nicht genau bekannt, aber es wird angenommen, dass auf diese Weise der schädliche Effekt der Antikörper im Blut abgemildert werden kann. Die Hauptrisiken dieses Verfahrens sind häufig allergische Reaktionen (in seltenen, schweren Fällen können diese lebensbedrohlich sein) und gelegentlich ein erhöhtes Thromboserisiko, was in seltenen Fällen zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen kann. Bisherige Studien zeigen bei den meisten Patienten eine gute, der Kortison-Therapie vergleichbare Wirksamkeit der Immunglobuline.

Beim Plasmaaustausch wird ein Teil Ihres flüssigen Blutes (das sogenannte Blutplasma) durch eine Eiweißlösung ersetzt. Hierdurch werden die im Blutplasma befindlichen Proteine (einschließlich der schädlichen Antikörper) aus dem Blut entfernt. Für das Verfahren ist ein venöser Zugang zu einer tiefen Halsvene (ein sogenannter Zentraler Venenkatheter oder Shaldon-Katheter) erforderlich, welcher in lokaler Betäubung angelegt wird. Die Behandlung wird anschließend täglich über 5 Tage durchgeführt, wobei Ihr Blut über den venösen Zugang herausgeleitet wird. Die Hauptrisiken dieses Verfahrens sind  (selten) Thrombosen oder Blutungen durch den Verlust gerinnungsfördernder oder gerinnungshemmender Proteine sowie Komplikationen durch den Shaldon-Katheter wie z.B. (selten) eine Verletzung der Nerven, Gefäße, oder des Lungenfells (Pneumothorax). Auch für den Plasmaaustausch sprechen die vorliegenden Studien für eine gleich gute Wirksamkeit im Vergleich zur Kortisontherapie bei der Mehrzahl der Patienten.

Neben diesen drei Therapien hat sich in den letzten Jahren bei Neurologischen Autoimmunerkrankungen eine weitere Art der Blutwäsche bewährt, die sogenannte Immunadsorption. Die Immunadsorption ist in vielerlei Hinsicht dem Plasmaaustausch ähnlich. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass das Blutplasma nicht durch eine Eiweißlösung ersetzt wird, sondern durch ein spezielles Gerät hindurchgeleitet wird, welches die Antikörper aus Ihrem Blut herausfiltert, während andere Proteine weitgehend erhalten bleiben; nachdem das Blutplasma das Gerät durchlaufen hat, wird das Blutplasma mit allen verbliebenen Proteinen durch den selben venösen Zugang wieder in Ihren Körper zurückgeleitet.

Hierdurch ergeben sich gegenüber dem Plasmaaustausch einige Vorteile: durch den weitgehenden Erhalt gerinnungsfördernder und -hemmender Proteine kommt es seltener zu Thrombosen und Blutungen, und insgesamt gilt die Immunadsorption (bedingt durch die Schonung der meisten Plasmaproteine) als nebenwirkungsärmer gegenüber dem Plasmaaustausch, dennoch können selben, oben erwähnten Nebenwirkungen (Thrombosen, Blutungen, Verletzungen von Gefäßen, Nerven oder Lungenfell im Rahmen der Shaldon-Katheter-Anlage) auch bei der Immunadsorption vorkommen. Ein Nachteil hingegen ist, dass möglicherweise dadurch auch Proteine im Blut verbleiben, die neben den Antikörpern am Krankheitsprozess beteiligt sein können. Darüber hinaus ist das Verfahren wegen seiner Neuartigkeit weniger gut erprobt als der Plasmaaustausch, und es gibt weniger Studien, welche die Wirksamkeit belegen. Dementsprechend wird das Verfahren in den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie für die CIDP noch nicht als Behandlungsoption aufgeführt.

Bisherige Veröffentlichungen, die sich meistens auf die Anwendung an wenigen Patienten beziehen, deuten bisher auf eine gute Wirksamkeit der Immunadsorption bei der CIDP hin. In unserer Klinik wurden bis 2020 etwa 50 CIDP-Patienten mit Immunadsorption behandelt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen kann bei Patienten, die erst seit wenigen Monaten an CIDP erkrankt sind, durch die Therapie teilweise eine Besserung der Symptome erzielt werden. Bei Patienten mit langjährigen Krankheitsverlauf sind hingegen schon lange bestehende Symptome meistens nicht oder nur geringfügig zu beeinflussen, die Therapie zielt hier auf eine Stabilisierung ab, d.h. die Krankheitssymptome sollen sich nach Möglichkeit nicht weiter verschlechtern, was nach unseren bisherigen Erfahrungen meistens auch gelingt.

Es ist sehr wichtig zu wissen, dass alle genannten Therapien in der Regel in regelmäßigen Abständen wiederholt werden müssen, da es sich bei der CIDP um eine chronische Krankheit handelt und der Effekt der Therapien nur eine begrenzte Zeit (Wochen bis Monate) anhält.

 

Diese Studie wird durchgeführt, da es bisher keinen klaren Hinweis darauf gibt, welche der genannten Therapien den besten Effekt auf die Krankheitssymptome der CIDP zeigt. Insbesondere die Wirksamkeit der Immunadsorption ist bei der CIDP bisher noch nicht mit anderen Therapieverfahren verglichen worden. Im Rahmen dieser Studie soll deshalb die Immunadsorption bei Patienten, die für eine Cortison-Therapie nicht in Frage kommen, mit einem der anderen etablierteren Verfahren, nämlich der Immunglobulingabe, verglichen werden.

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Immunadsorption versus Plasmaaustausch zur Behandlung des Guillain-Barré-Syndroms (GBS)

Guillain-Barré-Syndrom (GBS)!

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem „versehentlich“ Strukturen des eigenen Nervensystems angreift. Eine wichtige Rolle spielen dabei Antikörper; bei Antikörpern handelt es sich um Proteine, die von bestimmten Immunzellen gebildet werden. Beim GBS tragen diese Antikörper wesentlich dazu bei, den Krankheitsprozess zu unterhalten und die Symptome (Lähmungen und Gefühlsstörungen) auszulösen.

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft existieren zwei Therapien, die als gleich wirksam angesehen werden: die Gabe von intravenösen Immunglobulinen (IVIg) und der Plasmaaustausch (plasma exchange PE), eine Form der Blutwäsche. Beide Therapien zielen hauptsächlich auf eine Eliminierung der schädlichen Auto-Antikörper ab und haben sich über viele Jahre in der Behandlung des GBS bewährt.

Bei den Immunglobulinen handelt es sich um eine Infusion, die über 5 Tage über einen peripheren Zugang (z.B. in eine Armvene) verabreicht wird. Der Wirkmechanismus der Immunglobuline ist nicht genau bekannt, aber es wird angenommen, dass auf diese Weise der schädliche Effekt der Antikörper im Blut abgemildert werden kann. Die Hauptrisiken dieses Verfahrens sind häufig allergische Reaktionen (in seltenen, schweren Fällen können diese lebensbedrohlich sein) und ein generell erhöhtes Thromboserisiko, was in seltenen Fällen zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen kann. In mehreren Studien wurde die gute Wirksamkeit der Immunglobuline belegt, so dass diese (zusammen mit dem Plasmaaustausch) als aussichtsreichste Therapieform in den Leitlinien der Deutschen Fachgesellschaft für Neurologie (DGN) genannt wird.

Beim Plasmaaustausch wird ein Teil Ihres flüssigen Blutes (das sogenannte Blutplasma) durch eine Eiweißlösung ersetzt. Hierdurch werden die im Blutplasma befindlichen Proteine (einschließlich der schädlichen Antikörper) aus dem Blut entfernt. Für das Verfahren ist ein venöser Zugang zu einer tiefen Halsvene (ein sogenannter Zentraler Venenkatheter oder Shaldon-Katheter) erforderlich, welcher in lokaler Betäubung angelegt wird. Die Behandlung wird anschließend täglich über 5 Tage durchgeführt, wobei das Blut über den venösen Zugang herausgeleitet wird.  Auch für den Plasmaaustausch existieren mehrere Studien, die eine gute Wirksamkeit beim GBS belegen. Die Studiendaten legen nahe, dass die Wirksamkeit von Immunglobulinen und Plasmaaustausch etwa gleich ist, allerdings gibt es Patienten, die auf eines der beiden Verfahren besser ansprechen als auf das andere. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft existiert aktuell allerdings noch kein diagnostisches Verfahren, mit dessen Hilfe ermittelt werden kann, auf welches Verfahren ein Patient am besten anspricht. Zusammen mit den Immunglobulinen wird der Plasmaaustausch als aussichtsreichste Therapieform in den Leitlinien der DGN genannt.

Neben diesen beiden Therapien hat sich in den letzten Jahren bei Neurologischen Autoimmunerkrankungen eine weitere Art der Blutwäsche bewährt, die sogenannte Immunadsorption. Die Immunadsorption ist in vielerlei Hinsicht dem Plasmaaustausch ähnlich. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass das Blutplasma nicht durch eine Eiweißlösung ersetzt wird, sondern durch ein spezielles Gerät hindurchgeleitet wird, welches die Antikörper aus Ihrem Blut herausfiltert, während andere Proteine weitgehend erhalten bleiben; nachdem das Blutplasma das Gerät durchlaufen hat, wird das Blutplasma mit allen verbliebenen Proteinen durch den selben venösen Zugang wieder in Ihren Körper zurückgeleitet. Hierdurch ergeben sich gegenüber dem Plasmaaustausch einige Vorteile: durch den weitgehenden Erhalt gerinnungsfördernder und -hemmender Proteine kommt es seltener zu Thrombosen und Blutungen, und insgesamt gilt die Immunadsorption (bedingt durch die Schonung der meisten Plasmaproteine) als nebenwirkungsärmer gegenüber dem Plasmaaustausch. Ein Nachteil hingegen ist, dass möglicherweise dadurch auch Proteine im Blut verbleiben, die neben den Antikörpern am Krankheitsprozess beteiligt sein können.     Wegen seiner Neuartigkeit ist das Verfahren weniger gut erprobt als der Plasmaaustausch, und es gibt weniger Studien, welche die Wirksamkeit belegen. Bisherige Veröffentlichungen, die sich meistens auf die Anwendung an wenigen Patienten beziehen, deuten bisher auf eine gute Wirksamkeit der Immunadsorption beim GBS hin. In unserer Klinik wurden bis 2020 über 30 GBS-Patienten mit Immunadsorption behandelt, mit überwiegend gutem bis sehr gutem Ergebnis, vergleichbar zu den anderen beiden Therapieoptionen. Allerdings existieren bisher keine Studien, welche die Wirksamkeit von Plasmaaustausch und Immunadsorption direkt miteinander vergleichen. Im Rahmen dieser Studie sollen deshalb beide Blutwäscheverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Sicherheit miteinander verglichen werden. Zu diesem Zweck werden bei 20 Patienten, welche mit einem der beiden Verfahren behandelt werden (10 pro Gruppe) eine Reihe zusätzlicher Untersuchungen durchgeführt, um die Wirksamkeit beider Verfahren besser gegeneinander abschätzen zu können.

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“Selektive Abreicherung des C-reaktiven Proteins mittels therapeutischer Apherese
(CRP-Apherese) beim ischämischen Schlaganfall“

 

Nach fast jedem Schlaganfall kommt es zu einem im Blut messbaren Anstieg des sogenannten
C-reaktiven Proteins (CRP), einem Eiweiß des angeborenen Immunsystems. Bei Erkrankungen,
die mit einer erhöhten CRP-Konzentration im Blut einhergehen, steht das CRP im Verdacht das
Entzündungsgeschehen nicht nur anzuzeigen, sondern auch aktiv an seiner Entstehung beteiligt
zu sein. Somit stellt die CRP-Erhöhung einen Risikofaktor für diese Erkrankungen dar.
Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass der weitere Heilungsverlauf und
der Gewebeschaden des Gehirns unter anderem mit der im Blut vorhandenen Menge an CRP
zusammenhängen. In den meisten Fällen haben Patienten mit niedrigeren CRP-Spiegeln im Blut
eine bessere Heilungsaussicht (Prognose) als Patienten mit hohen Konzentrationen.
Mit Apheresen werden Verfahren bezeichnet, bei denen einzelne Substanzen aus dem Blut oder
dem Plasma in einem extrakorporalen, das heißt einem außerhalb des Körpers durchgeführten
Verfahren entfernt werden. Bei der CRP-Apherese genannten Behandlung wird das Blut über
eine Art Filter (Adsorber) geleitet und dabei das schädigende Eiweiß (CRP) abgefangen. Danach
wird das „gereinigte“ Blut wieder in den Körper zurückgeführt.
Für diese CRP-Apherese kommt ein neu entwickeltes Medizinprodukt zum Einsatz, der Adsorber
PentraSorb® CRP. Die CRP-Apherese wird in dieser Studie erstmalig zur Behandlung des
Schlaganfalls angewendet.

 

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Aphereseverfahren bei MS-Schub im Test

In einer kürzlich abgeschlossenen Studie (IAPEMS) verglichen wir die Wirksamkeit und Verträglichkeit der beiden Blutwäsche-Verfahren Plasmaaustausch (plaxma exchange, PE) und Immunadsorption (IA) bei Patienten mit MS-Schub. Beim akuten MS-Schub wird normalerweise zuerst eine Hochdosis-Therapie mit intravenösem Cortison durchgeführt. Wenn diese nicht zu einem vollständigen Rückgang der Symptome führt, kommen Blutwäscheverfahren (Apherese) zum Einsatz, wobei die PE und die IA zum Einsatz kommen. Während bei der PE das flüssige Blut mit allen darin enthaltenen Proteinen gegen eine Volumenersatzlösung ausgetauscht wird, werden bei der IA spezifisch die Antikörper aus dem Blut entfernt und anschließend zurück zum Patienten geleitet. Die IA ist das neuere Verfahren, das als nebenwirkungsärmer gilt. Auf der anderen Seite gibt es wegen der Neuartigkeit für die IA bisher weniger belastbare Daten.

 

Über einen Zeitraum von 2 Jahren schlossen wir insgesamt 61 Patienten in die Studie ein, die zufällig einem der beiden Therapien (IA oder PE) zugeteilt wurden. Der Therapieerfolg wurde mit Hilfe eines standardisierten Scores, des Multiple Sclerosis Multiple Composite (MSFC) gemessen, der Einschränkungen im Bereich der Arme, Beine und der Kognition misst. 4 Wochen nach Therapie zeigte sich eine statistisch signifikant größere Verbesserung in der IA-Gruppe. Auf der anderen Seite setzte die Besserung in der PE-Gruppe früher ein. Insgesamt zeigten beide Verfahren eine niedrige Nebenwirkungsquote und eine sehr gute Wirksamkeit. Etwa 3/4 der Patienten zeigten im Verlauf eine Besserung ihrer Symptomatik.

 

Die vollständigen Ergebnisse der Studie sind frei im Internet auf englischer Sprache verfügbar:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6890948/

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